Jahresbericht 2017

 

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Ich verbinde die Stadt Steckborn stark mit der Firma Bernina.
Nähen finde ich sehr spannend und besitze – als Thurgauerin – selbstverständlich eine Bernina Nähmaschine.

Es ist immer eine Herausforderung, ein Kleidungsstück für sich zu designen, die Umsetzung zu planen, viele Wahlmöglichkeiten auszunutzen, ab und zu sich in Problemlösen und Frustrationstoleranz zu üben.
Kurz, alles, was es braucht um ein solches Projekt durchzuziehen, ist so vielseitig wie das Amt als TMK-Präsidentin.
Darum liebe Kolleginnen und Kollegen lade ich euch ein, den Jahresbericht an der Nähmaschine zu erleben. Ich hoffe den Fachlehrpersonen des Textilen Gestaltens nicht zu sehr Stirnrunzeln zu verursachen – ich bin im Nähen Laie.

Wenn ein Kleid entsteht, nähe ich als letztes den Saum.
Mit einer langen Linie gerader Stiche wird sauber abgeschlossen.
Dasselbe gelang beim Lehrplan Volksschule Thurgau.
Das neue TMK-Jahr begann mit der Abstimmung zum Lehrplan Volksschule Thurgau.
Wir hofften natürlich auf Erfolg, konnten jedoch nicht so genau abschätzen,
wie die intensive politische Werbung und Vernetzung der Initianten wirken würde.

Als sich schon bald ein eindeutiger Trend und im Laufe des Nachmittages der klare Sieg für die Einführung des Lehrplans Volksschule Thurgau abzeichneten,
war die Freude gross.

Ist dies nicht ein Vertrauensbeweis an unser Schulsystem? Ebenso sehr ist dies eine Wertschätzung der Arbeit der Lehrpersonen!

Eine Nähmaschine hat auch einen „Rückwärtsgang“. Eigentlich sehr praktisch – ich nutze ihn zum „Verstäten“. Ich nähe dann vorwärts – rückwärts und wieder vorwärts – so dass ich sicher sein kann, dass nachher nichts mehr auf geht.
Rückwärtsgang eingelegt wurde gewissermassen beim Französisch.
Offensichtlich ist vor drei Jahren die Motion Herzog zu wenig „verstätet“ worden.
Dass der Entscheid zum Französisch nochmals aufgerollt würde, war uns seit Sommer 2016 mit der Vernehmlassungsantwort zum Lehrplan bekannt. Vor allem Stimmen aus der Wirtschaft hatten sich gegen den Thurgauer Alleingang gewehrt.
Die ganze Schweiz schaute auf den Thurgau und die Presse füllte eifrig Zeitungsseiten.
Würden die Thurgauer längerfristig tatsächlich „des nuls en français“ sein?
Musste man wirklich mit Reaktionen aus Bern rechnen – und mit welchen Folgen?

Dies verursachte intensive Diskussionen im Vorstand.
Welche Auswirkungen würde die Verschiebung für die Mitglieder der TMK ergeben?
Welche Haltung hatten wohl unsere TMK Mitglieder? Schliesslich wollen wir ja euch verantwortungsvoll vertreten.
Wir waren froh über die Umfragen von Bildung Thurgau, auch wenn es sich herausstellte, dass gewisse Fragestellungen Ergebnisse produzieren können, welche dann neue Unsicherheiten ergeben.

Mit Interesse verfolgten wir das politische Geschehen, von der Zusammensetzung der Kommission bis zu deren Empfehlung an den Kantonsrat. Nach der ersten Sitzung im Grossen Rat – mit ausufernden Reden sowie Gesangseinlagen – schien die Abschaffung beschlossen.
Aber die Zeit bis zur zweiten, nach hinten geschobenen Lesung im Grossen Rat, wurde nochmals intensiv für Diskussionen genutzt.
In dieser Zeit waren wir natürlich ebenfalls sehr gefordert.
Die Sitzung der Geschäftsleitung von Bildung Thurgau mit der Departementsspitze – die DEK-Runde – war ausschliesslich den Bedingungen für den Französischunterricht gewidmet.
Ein zentraler Punkt ist die Diskussion um genügend Halbklassenlektionen für den Französischunterricht. Leider ist der Kostenrahmen eng gesteckt, so sind vor allem Verschiebungen innerhalb der Volksschule zu erwarten. Der kantonal subventionierte Lektionenpool der Schulen ist ziemlich fix. Die Berechnung geht von 21 Kindern pro Klasse aus. Gleichzeitig hatte man der Unterstufe mehr Lektionen zugesichert, als man die Stundentafel der Zweitklässler um zwei Lektionen erhöhte.
Ein weiterer Diskussionspunkt war die Dispensationsregelung, die vereinfacht werden sollte. Wir sind gespannt, wie sich dies dann in der Praxis auswirkt.

Am 14. Juni 2017 folgte dann der endgültige Entscheid.
Mit einer hauchdünnen Mehrheit sprach sich der Kantonsrat für die Beibehaltung des Französischunterrichtes aus!
Endlich gab es für uns Klarheit – und es konnte weiter gearbeitet werden!

Aktuell werden die Französischlehrmittel evaluiert. Der Lehrmittelverlag Zürich hat gemeinsam mit St. Gallen das Lehrmittel „dis donc“ erarbeitet und Klett hat „ça bouge“ auf den Markt gebracht.
Ebenso läuft die Vernehmlassung der Massnahmen, welche vom DEK vorgeschlagen wurden.

Wir kämpfen weiter, denn es ist uns ein Anliegen, dass mit guten Lehrmitteln, sinnvollen Klassengrössen und Dispensationsmöglichkeiten bessere Bedingungen geschaffen werden.
La discussion n’est pas encore terminée.

Als Zubehör zu meiner Nähmaschine erhielt ich ein spezielles Teil, das dazu dient, falsche Stiche aufzutrennen. Manchmal komme ich mir vor, wie mit diesem „Nahtauftrenner“, wenn ich im Rahmen von Vernehmlassungen Dokumente genau lese, um gewissermassen „falsche“ Stiche zu suchen, um diese mit spitzer Feder hervor zu heben.
Dieses Jahr gab es zwei wichtige Vernehmlassungen, zu welchen die TMK auch ihre Antwort via Bildung Thurgau einreichte.

Overlock – die Lösung beim Nähen mit Tricot – also die Stichart um elastische Nähte herzustellen.
Rechtsstellungsverordnung
Der Kanton ist daran, diverse gesetzliche Grundlagen für Lehrpersonen aller Stufen neu zu regeln und anzugleichen. Ein besonders wichtiger Punkt ist die Altersentlastung.
Wir freuen uns, dass diese Entlastung nicht nur jenen zukommen kann, welche 100% arbeiten, sondern auch linear angepasst wird. Sie wird gewissermassen elastisch.
Der Preis dafür ist aber, dass die Entlastung erst nach dem 59. Geburtstag bezogen werden kann. Wir müssen ein Jahr länger mit vollem Pensum arbeiten – auch wenn viele Studien belegen, dass wir Lehrpersonen einen anstrengenden Beruf haben aufgrund der vielen sozialen Interaktionen.

Wir sind gar nicht glücklich über die Kündigungsbedingungen, in welche unsere schwangeren Kolleginnen geraten, wenn sie nach der Niederkunft nicht mehr mit dem alten Pensum weiter arbeiten möchten.
Das taten wir an dieser Stelle auch kund – leider ergab sich hier keine Verbesserung.

Ich habe auf der Website von Bernina gegoogelt und einen Stick gefunden. Auch die Nähmaschinen für den Privatgebrauch sind längst in der digitalen Welt unterwegs. Höchste Zeit, dass die Schule dies auch professionell anpackt!
Weiterbildung „Medien und Informatik“
Wir stellten fest, dass das Amt für Volksschule eine solide Weiterbildung plant.
Dies unterstützen wir, denn wir wollen in diesem neuen Fachbereich kompetent sein.
Guter Unterricht liegt uns am Herzen.
Die genannten Zeitgefässe, welche für die Weiterbildung der Mittelstufenlehrpersonen gerechnet wurden, waren uns dann doch zu viel!
Im nun verabschiedeten Weiterbildungskonzept werden die Zeitgefässe etwas geringer angegeben – aber trotzdem scheint uns der Zeitaufwand enorm.
Ich appelliere an den Kanton, das Thema „Salutogenese“ – gesund zu bleiben – auch in diesem Bereich ernst zu nehmen und nicht nur den lokalen Schulen zu überlassen!

Mühsame Zwischenfälle beim Nähen sind, wenn die Nähmaschine eine Unmenge von Faden verbraucht und eine Art Knoten produziert.
Manchmal ist der Stoff zu dünn, wenn dies passiert. Aber es passiert auch, wenn man falsch einfädelt. Da bin ich schon beim nächsten Thema, nämlich bei den neuen Zeugnisformularen.
Nach den ersten erholsamen Tagen der Sommerferien erhielten wir die neuen Zeugnisformulare. So ziemlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlugen diese ein!
Im August sollten doch Schulen beginnen, die neue Beurteilung zu evaluieren?

Nach der Vernehmlassung wurde klar kommuniziert, dass man sich Zeit nehme für die Beurteilung .... Dass im neuen Zeugnis nicht mehr das Wort „Realien“ stehen muss, ist klar.
Aber wir staunten doch sehr, dass Deutsch und Mathematik auf eine Note reduziert wurden und die neuen Punkte im Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten diskussionslos in unser Lehreroffice eingefädelt wurden.
Nun hoffen wir doch sehr, dass die definitive Einführung der neuen Beurteilungsgrundlagen, erst nach einer gründlichen Vernehmlassung bei der Lehrerschaft und den anderen Bildungsverbänden geschehe!
An dieser Stelle möchte ich allen Kolleginnen und Kollegen danken, welche am Schulversuch „Beurteilung“ beteiligt sind.
Im Namen der TMK ermuntere ich euch, 
mit klaren und konkreten, wenn nötig auch mit schonungslosen Rückmeldungen zur Weiterentwicklung der Beurteilungsgrundlagen und einem praktikablen Lehreroffice beizutragen.
Ein grosses Dankeschön für euren Einsatz!

Nun noch ein paar „technischen Daten“: Die Arbeit des Vorstandes.
2017 war ein intensives Jahr, da ratterte die TMK-Maschine fast pausenlos.
Der Vorstand traf sich zu 9 Sitzungen und einer Klausurtagung.
Insgesamt ergab dies eine Sitzungszeit von 35 Stunden.
An drei Sitzungen besuchte uns Anne Varenne um unsere Haltung zum Französischunterricht abzuholen.
Zusätzlich war Urs Zuppinger vom Schulblatt zwei Mal bei uns, denn im Februar erscheint eine Ausgabe zur Mittelstufe. An dieser Stelle danke ich auch jenen Kolleginnen und Kollegen, welche für das Gelingen der Ausgabe beitragen.

Fadenspule leer – keine Angst, ich spreche nicht von Burnout – aber manchmal ist die untere Spule leer und neuer Faden muss darauf gespult werden.
Schon lange war klar, dass zwei langjährige, verdiente Kollegen aus dem Vorstand zurücktreten würden. Also befassten wir uns seit fast einem Jahr mit dem Traktandum „Personelles“.
Wir sind übrigens nicht die einzige Teilkonferenz, welche viel Energie in die Suche von Vorstandsmitgliedern investiert.
Es zeigte sich, dass es unter den Lehrpersonen aktive Kolleginnen und Kollegen gibt, welche keine weiteren Aufgaben mehr übernehmen können. Aktuell sind viele engagierte Kolleginnen und Kollegen in der Funktion als Multiplikatorinnen oder Multiplikatoren stark belastet.Es gibt vermutlich auch Leute, welche sich unterschätzen und sich die Mitarbeit im Vorstand nicht zutrauen. Schade, denn die TMK verschafft den Mittelstufenlehrpersonen Gehör und setzt sich für die Stufe ein.
Gleichzeitig ist die Mitarbeit nicht nur ein zeitliches Opfer, sondern auch eine grosse Bereicherung: Frühzeitig informiert zu sein, was auf die Schule, bzw. auf die Stufe zukommt, vorauszudenken, an der Schulentwicklung teil zu haben, Haltungen für die Stufe zu prägen und den Horizont zu erweitern, sind neben einer guten Kollegialität im Vorstand ein grosser Mehrwert.
Für die TMK ging die Suche schliesslich gut aus! Nach langem Zögern wagte ich es, zwei bereits sehr engagierte Frauen anzufragen und bekam an einem Nachmittag zwei Zusagen! Ich hatte ein Glücksgefühl, wie nach einem Lottosechser!

Immer wieder sind wir auf der Suche nach Leuten für Arbeitsgruppen.
Aktuell ist die Fachgruppe Musik vakant. Im Wissen, dass es viele musisch begabte Lehrpersonen gibt, würde es uns sehr freuen, wenn wir heute noch jemanden finden könnten. Arbeitsaufwand knapp 10 Stunden pro Jahr.

Nur Dank reibungslosem „Zusammenspiel“, kann gute Arbeit gelingen. Bei der Nähmaschine liegt das Geheimnis bei der geeigneten Verbindung der beiden Fäden.
An dieser Stelle möchte ich dem gesamten Vorstand für ihre engagierte Arbeit von ganzem Herzen danken. Die Aufgaben werden verteilt, jeder packt an und ich kann mich jederzeit auf eure Zuverlässigkeit verlassen! Aber auch die Kollegialität und die gute Stimmung schätze ich sehr. Ganz herzlichen Dank!
Ein weiterer Dank geht an alle, welche sich in den verschiedenen Arbeitsgruppen für die Mittelstufe engagieren. Die TMK stellt bei Bildung Thurgau eine aktive und engagiert diskutierende Fraktion.
Allen Delegierten und Suppleanten möchte ich ebenfalls ganz herzlich danken.